Psychopathen in unserer Mitte

Psychopathen in unserer Mitte
Quelle: Red Panic Button

Hannibal Lecter, Norman Bates, der „American Psycho“ Patrick Bateman – die Welt von Literatur und Film ist voll mit beängstigenden Psychopathen. Sie sind es auch, die unser Bild von Psychopathen geprägt haben: gefährliche Männer, die keine Gefühle haben und zu Gewaltausbrüchen neigen. Tatsächlich ist es so, dass Psychopathen nicht in der Lage sind, die Gefühle anderer Menschen nachzuempfinden. Dennoch gelingt es ihnen meist, sympathisch zu erscheinen und eine oberflächliche Beziehung zu anderen Menschen aufzubauen. Weil sie dies aber in erster Linie tun, um ihre Ziele durchzusetzen, klettert so mancher Psychopath auf der Karriereleiter weit nach oben.

Psychopathen produzieren Dopamin

Ein Team der Vanderbilt University in Nashville um den Wissenschaftler Joshua Buckholtz wollte im Jahr 2010 herausfinden, was einen Menschen zum Psychopathen macht. Dazu stellte es eine Gruppe aus 30 Probanden zusammen, die zunächst einen Persönlichkeitstest absolvieren sollten. Danach wurde ihnen ein Amphetamin injiziert, und es wurde eine Positronen-Emissions-Tomografie mit ihnen durchgeführt. Dieser sorgte dafür, dass die Forscher nachvollziehen konnten, wie das Amphetamin im Gehirn wirkt. Es zeigte sich, dass bei den Teilnehmern der Studie, die im Test angegeben hatten, impulsiv-antisoziale Tendenzen zu haben, sehr viel mehr Dopamin ausgeschüttet wurde als bei den anderen Probanden. Um weitere Daten zu sammeln, nahmen die Teilnehmer an einem virtuellen Glücksspiel teil, bei denen ihnen ein großer Gewinn in Aussicht gestellt wurde. Auch dabei produzierte das Gehirn der psychopathisch veranlagten Personen mehr Glückshormone als das der anderen Teilnehmer. Man könnte nun also zu dem Schluss kommen, dass besonders viele Psychopathen im Online Casino vorzufinden sind. Das entspricht aber nur bedingt der Wahrheit. Denn wie Buckholtz die Ergebnisse seiner Studie kommentiert, ist für eine psychopathische Veranlagung nicht allein die überdurchschnittliche Ausschüttung von Dopamin verantwortlich. Dazu kommt nämlich auch die Unfähigkeit zum Mitgefühl mit anderen Menschen. Einen Zusammenhang zwischen fehlendem Mitgefühl und der Produktion von Dopamin konnten Buckholtz und sein Team nicht feststellen.

Psychopathen in der Führungsebene

Psychopathen in der Führungsebene
Quelle: shutterstock.com

Im Jahr 2011 hat der Psychologe Kevin Dutton von der Universität Oxford eine Studie durchgeführt, mit der er herausfinden wollte, in welchem Berufsfeld es die meisten Psychopathen gibt. Dafür nahm er eine Reihe von erwerbstätigen Personen in Großbritannien unter die Lupe und beurteilte, ob sie psychopathische Züge haben oder nicht. Es stellte sich heraus, dass die Berufsgruppe, in der es die meisten Psychopathen gibt, Geschäftsführer sind. Diese Erkenntnis deckt sich mit einer Untersuchung des Journalisten Jon Ronson. Er hat festgestellt, dass vier Prozent aller Geschäftsführer Psychopathen sind – vier Mal mehr als der Durchschnitt in der Bevölkerung. Laut Duttons Untersuchung folgen Anwälte, Journalisten, Sales Manager und Chirurgen auf den weiteren Plätzen. Wenn man sich die Anforderungen an diese Berufsgruppen anschaut, dann scheint es logisch zu sein, dass ein überdurchschnittlich großer Teil von ihnen psychopathisch veranlagt ist. Bei allen geht es um das bestmögliche Ergebnis, wobei menschliche Gefühle keine Rolle spielen dürfen. Ein guter Anwalt etwa verdreht Fakten, wenn er einen Mörder verteidigt, und lässt dabei die Emotionen außer Acht, die die Angehörigen des Opfers empfinden. Vielmehr geht es ihm darum, den Richter zu manipulieren und sein Ziel durchzusetzen: einen Freispruch für seinen Klienten zu erwirken. Grundsätzlich ist zu erkennen, dass sich Psychopathen vor allem in beruflichen Umfeldern wohlfühlen, in denen ein klares hierarchisches Gefälle herrscht. Weil es dort vor allem darum geht, durch herausragende Leistungen aufzusteigen, kommt ihnen ihre Emotionslosigkeit zugute. Schließlich nehmen sie keine Rücksicht auf Kollegen und Konkurrenten und konzentrieren sich ausschließlich auf ihren Erfolg.

Ist Donald Trump ein Psychopath?

Dutton bewertet psychopathische Züge nicht per se als negativ. Vielmehr kann er Psychopathen auch positive Eigenschaften abgewinnen. Auch diese beziehen sich auf das Berufsleben. So sind Psychopathen durchsetzungsfähig und treffen selbst unter Druck kluge Entscheidungen. Zudem machen sie sich keine Gedanken, wenn auf eine Entscheidung negative Konsequenzen folgen, und gehen einfach ihren Weg weiter. Diese Beschreibung trifft auch auf so manchen Politiker zu, der dann sogar bis an die Spitze seines Staats gelangt. So wird bereits seit einer Weile vermutet, dass es sich beim aktuellen US-Präsidenten Donald Trump um einen Psychopathen handelt. Bevor er seine politische Karriere begann, war er der Geschäftsführer eines riesigen Unternehmens und hatte damit den Beruf, in dem es die meisten Psychopathen gibt. Und wie die Welt spätestens seit seinem Einzug ins Weiße Haus beobachten konnte, fehlt es ihm an Feingefühl im Umgang mit anderen Menschen. Trump steht gerne im Mittelpunkt, betrachtet eigene Fehler nicht als solche und hält gegen sämtliche Widerstände an seinen Zielen fest. Zudem hat er es als politischer Nobody tatsächlich geschafft, ins höchste Amt seines Landes zu gelangen. Ihn als Psychopathen zu diagnostizieren, fällt dennoch schwer. Es würde sich nämlich lediglich um eine Ferndiagnose handeln, und eine solche ist selten seriös.