Kriminelle waschen mit Fortnite Geld

Quelle: coin5s.com

Fortnite ist derzeit das beliebteste Videospiel der Welt. Auf über 200 Millionen Computern und Konsolen ist der Titel derzeit installiert, etwa 80 Millionen Spieler „zocken“ ihn mindestens einmal pro Monat. Fortnite sorgt aber nicht nur für Freude und Spannung bei den Spielern, sondern auch für Sorgenfalten bei Gesetzgebern. Denn das Spiel wird zunehmend für kriminelle Machenschaften genutzt.

Reale gegen virtuelle Währung

Viele Wirtschaftszweige haben mit dem Problem der Geldwäsche zu kämpfen. Deshalb wurden in den meisten Branchen wirksame Maßnahmen eingeführt, die verhindern sollen, dass Kriminelle aktiv werden. Zudem sind diverse Gesetze in Kraft, die dafür sorgen, dass etwa Geldtransaktionen im Online Casino überwacht werden müssen. Stellen die Betreiber Unregelmäßigkeiten fest, dann müssen sie dies den zuständigen Behörden melden. Dennoch schaffen es Betrüger immer wieder, neue Wege zu finden, um gestohlenes Geld zu waschen. Aktuell erfreut sich Fortnite der zweifelhaften Aufmerksamkeit der Unterwelt. Das Spiel an sich kann zwar kostenlos heruntergeladen und gespielt werden, allerdings haben die Nutzer die Möglichkeit, zusätzliche Items zu kaufen. Dabei handelt es sich beispielsweise um Outfits oder Skins, die das Aussehen eines Charakters verändern, Tänze, die die Figur vollführt, oder Haustiere, die den Charakter im Spiel begleiten.

Um einen In-Game-Kauf zu tätigen, muss der Spieler zunächst echtes Geld gegen die virtuelle Währung V-Bucks eintauschen. Für etwa zehn Euro gibt es derzeit 1.000 V-Bucks, wer rund 100 Euro ausgibt, bekommt dafür sogar 13.500 V-Bucks. Tänze sind ab 200 V-Bucks zu haben, Outfits kosten ungefähr 1.000 V-Bucks. Regelmäßig werden Items veröffentlicht, die nur für eine bestimmte Zeit erhältlich und deshalb besonders beliebt sind. Mit dem Verkauf von Items hat die Entwicklerfirma Epic im Jahr 2018 ganze 2,4 Milliarden US-Dollar Gewinn gemacht. Mehr als die Hälfte aller Spieler greifen regelmäßig auf dem virtuellen Markt zu.

Fortnite Spieler
Quelle: onetime.nl

Items zum Verkauf

Diese enorme Nachfrage machen sich zunehmend Kriminelle zunutze. Zunächst legen sie sich in Fortnite einen Account an und kaufen dann mit gestohlenen Kreditkartendaten V-Bucks. Diese investieren sie anschließend in Items. Nach einer gewissen Zeit bieten sie den Account bei Ebay oder auf anderen Plattformen zum Verkauf an. Der Preis, zu dem sie dies tun, ist dabei erheblich geringer als der Wert der virtuellen Ware. So stellen sie sicher, dass der Account auch wirklich gekauft wird. Besonders geschickte Betrüger investieren in die seltenen saisonalen Items und erhöhen dadurch die Nachfrage zusätzlich. Um potentielle Abnehmer für ihre Accounts zu finden, schalten sie außerdem Anzeigen auf YouTube, Facebook oder Instagram.

Das Unternehmen SixGill, das sich mit Cyber-Kriminalität befasst, hat vor kurzem eine Untersuchung zum Verkauf von Fortnite-Accounts durchgeführt. Es stellte fest, dass allein im November und Dezember 2018 Items für mindestens 250.000 Dollar auf Ebay verkauft wurden – und das bezog lediglich die 50 Accounts mit ein, die in diesen beiden Monaten die höchsten Einzelerlöse eingebracht haben. Manche Kriminelle bieten laut der Untersuchung sogar Lose zum Verkauf an, mit denen die Interessenten dann an einer Art Lotterie teilnehmen können. Nur der Teilnehmer, dessen Los gezogen wird, hat das Recht, den Account letztlich zu erwerben. So erhöhen die Betrüger ihre Einkünfte zusätzlich. Wie viele Fortnite-Konten im Darkweb verkauft und in Crypto-Währungen wie Bitcoins bezahlt werden, lässt sich zudem sehr schwer einschätzen.

Kein explizites Verbot

Epic verbietet den Weiterverkauf von Accounts zwar nicht explizit. Allerdings ist in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Fortnite zu lesen, dass es nicht erlaubt ist, die Log-in-Daten seines Accounts weiterzugeben. Wer also sein Konto verschenkt oder verkauft, der verstößt gegen diese Regelung. Epic behält sich in solchen Fällen das Recht vor, den betreffenden Account zu sperren oder gar zu löschen. Den kriminellen Verkäufern kann dies allerdings egal sein. Sie haben das Geld erhalten und sind in der Regel nicht zu identifizieren, da sie anonyme E-Mail-Adressen und Verschleierungssoftware benutzt haben. Der Geschädigte ist jedoch der Käufer des Accounts. Er hat keinen Anspruch auf eine Rückerstattung, zudem hat er nach der Sperrung des Accounts keinen Zugriff mehr auf die darin befindlichen Items. Lediglich der Besitzer der gestohlenen Kreditkartendaten könnte Glück haben: Kann er nachweisen, dass er die Käufe nicht getätigt hat, dann bekommt er in der Regel sein Geld zurück.

Schenken als Alternative

Trotz des Verbots, Account-Daten weiterzugeben, wird Epic dafür kritisiert, zu wenig gegen kriminelle Machenschaften in Fortnite zu unternehmen. Allerdings ist das Unternehmen nicht untätig. Derzeit denkt es etwa darüber nach, das sogenannte „Gifting“ einzuführen. Mit diesem System soll es möglich sein, einem anderen Account einen einzelnen Gegenstand kostenlos zu übertragen. Dies könnte dafür sorgen, dass das Interesse am Kauf von illegalen Konten nachlässt. Ende 2018 hat Epic das Gifting bereits getestet, allerdings hat sich das Unternehmen noch nicht dazu geäußert, ob das Verschenken von Items zu einem festen Bestandteil von Fortnite werden könnte.