Am Rande der Legalität: Gacha und Pachinko

Pachinko
Quelle: flickr.com

„Das Leben findet immer einen Weg“. Dieser Satz ist Kinogängern seit „Jurassic Park“ bestens vertraut. Dass er nicht nur für Dinos gilt, ist derzeit in Japan zu beobachten. Dort umgehen Spieler und Geschäftsleute auf kreative Weise das Glücksspielverbot. Die Geschichte polarisiert. Kann man nicht einfach das Spiel an Slots genießen? Willkommen in einer Welt, die Stoff für spannende Thriller hergeben würde!

Das Gacha-Phänomen

Gacha ist ein japanisches Wort, das einen Klang beschreibt. Genauer: den Klang, der entsteht, wenn an einem Spielautomaten eine Kurbel gedreht wird. Alternativ ist auch von „Gachapon“ die Rede. „Pon“ steht für das Geräusch einer Spielzeugkapsel, die in einen Behälter fällt. Wenn ein Japaner an einem Automaten spielt, macht es also zuerst „Gacha“ und dann „Pon“. So weit, so gut.

Zu den Besonderheiten der Gacha-Spiele zählt, dass sie keine „echten“ Automaten verwenden. Es sind Video-Spiele, die beispielsweise in sozialen Netzwerken gespielt werden. Dabei handelt es sich nicht um traditionelle Glücksspiele (wodurch das Verbot umgangen wird). Stattdessen tauchen die Automaten innerhalb der Spiele auf. Gacha ist Teil von Rätselspielen, aber auch Games, in denen die Spieler Drachen begegnen. Kritiker argumentieren damit, dass auf diesem Weg Kinder für das Glücksspiel begeistert werden. Frei nach dem Motto: „Wer heute in einem Video-Game am Automaten spielt, wird später nach echten Slots suchen“. Da man beim Gacha kein Geld verdienen kann, handelt es sich eher um einen Sturm im Wasserglas. Das ist aber nicht das einzige Problem.

Manche Gacha-Spiele sind so gestaltet, dass die Spieler seltene Gegenstände gewinnen können. Hier wird es wirklich brenzlig. Ist es erst Glücksspiel, wenn die Spieler Geldbeträge gewinnen? Die Kritiker von Gacha sehen es anders: Egal, wie der Gewinn aussieht: Er ist ein Beleg für illegales Glücksspiel. Zynisch betrachtet könnte man entgegnen, dass es dann auch Glücksspiel ist, wenn ein Kind auf dem Jahrmarkt einen Teddybären gewinnt. Tatsächlich steht Gacha im Visier zahlreicher Journalisten, denen das „unregulierte Social-Gaming“ in Japan ein Dorn im Auge ist. Da manche Anbieter 50 Prozent ihres Umsatzes mit Gacha-Spielen machen, dürfte ein Verbot schwer durchzusetzen sein.

Pachinko – Macht und Moneten?

Bei Pachinko handelt es sich um eine Mischung aus Arcade-Game und Geldspielautomat. Es handelt sich um eine der populärsten Spielarten in Japan. Wer das Land besucht, stößt schnell auf die Pachinko-Spielhallen, die oft hunderte von Automaten aufgestellt haben.

Um Pachinko zu spielen, muss der Spieler spezielle Metallkugeln kaufen. Die übliche Menge liegt zwischen mehreren hundert und tausenden von Kugeln. Zu Spielbeginn werden die Kugeln in den Automaten gefüllt. Dabei kontrolliert der Spieler über einen Hebel, wie schnell die Kugeln auf das Spielfeld gelangen. Der Weg führt durch ein Labyrinth aus Klappen, Kanälen und Stiften. Das Ziel ist, möglichst viele Kugeln in die Speziallöcher zu kriegen. Wenn dies geschieht, erhält der Spieler eine bestimmte Menge neuer Kugeln. Alternativ verändert sich das Labyrinth kurzzeitig, um die Gewinnchancen zu erhöhen. Die dritte Möglichkeit besteht in einer Gewinnausschüttung, wobei der Gewinn ebenfalls aus Metallkugeln besteht.

Wo liegt das Problem?

In Japan sind Geldgewinne durch Spiele verboten. Die einzigen Ausnahmen sind die staatliche Lotterie sowie das ebenfalls vom Staat kontrollierte Wettsystem. Beim Pachinko gibt es nur Metallkugeln zu gewinnen. Auf den ersten Blick ist also alles in Ordnung. Die Besitzer der Spielhallen bieten zwar die Möglichkeit, die Kugeln gegen echte Gewinne einzutauschen. Allerdings sind dies meist nur Kleinigkeiten wie Feuerzeuge. Etwas komplizierter wird es bei den Sachpreisen. Dabei kann schon mal ein Feingoldbarren den Besitzer wechseln.

Nun ist ein Goldbarren immer noch kein Geld im klassischen Sinne. Es ist einfach ein wertvoller Sachpreis. Die wahre Problematik zeigt sich, wenn man sich zu einer Pachinko-Spielhalle begibt: In der Regel sind diese von mehreren Läden umgeben, die die Sachpreise ankaufen. Und hier wird es spannend:

Tokyo Urban
Quelle: studin.se

Wie man ein System aushebelt

Stellen Sie sich ein Casino vor, in dem Sie kein Geld gewinnen dürfen, weil die Regierung es verbietet. Stattdessen drückt der Besitzer Ihnen als Gewinn einen Goldbarren in die Hand. Sie verlassen das Casino und verkaufen den Goldbarren an einen Händler, der praktischerweise gleich auf der anderen Straßenseite ist. Jetzt kommt die Regierung und schreit: „Hey, das gilt nicht. Sie haben Geld gewonnen!“. Darauf erwidert der freundliche Käufer Ihres Goldbarrens lächelnd, dass er einen Sichtschutz trug, als er Sie ausbezahlt hat. Laut Gesetz sind er und Sie damit auf der sicheren Seite. „Kein Glücksspiel.“ Sie grinsen der Regierung frech ins Gesicht. Anschließend kaufen Sie mit Ihrem Gewinn ein Auto. Zurück bleiben ein grinsender Verkäufer und eine wutschnaubende Regierung.

Wie lukrativ ist Pachinko?

Bereits 2012 verdienten rund 34.000 Menschen in Japan ihren Lebensunterhalt als Pachinko-Spieler. Manchen verdienen bis zu 6.000 Euro im Monat mit dem Spiel. Auch die Betreiber der rund 16.000 Spielhallen haben Grund zur Freude: So landeten im Jahr 2000 rund zwei Milliarden Euro in den Pachinko-Tempeln. Seitdem sind die Einnahmen etwas zurückgegangen. Grund zur Sorge besteht aber nicht.

Pachinko und Politik

Das Spiel mit den Kugeln hat auch einen politischen Aspekt: Rund 70 Prozent der Spielhallen sind im Besitz koreanischer Familien. Laut der „Japan Times“ sind rund 3.000 Spielhallenbetreiber pro-nordkoreanisch eingestellt. Sie nutzen das Pachinko-Geschäft, um Nordkorea mit Devisen zu versorgen. Konkret sollen jährlich 200 Milliarden Yen nach Nordkorea fließen. Das sind umgerechnet 1,2 Milliarden Euro. Ist der Wunsch, Pachinko zu verbieten, politisch eingefärbt? Oder hat die japanische Regierung bisher auf ein Verbot verzichtet, um Spannungen mit Nordkorea zu vermeiden?

Wie sieht die Zukunft aus?

2020 sollen die Olympischen Sommerspiele in Tokio stattfinden. Die notwendigen Arbeiten an der Infrastruktur kosten viel Geld. Eine Folge davon ist, dass Japan überlegt, Casinos zu legalisieren. Dies würde zusätzliche Steuereinnahmen bedeuten, die die Regierung gut gebrauchen kann. Im Fall von Pachinko würde dies vieles verändern: Die Spielhallen könnten die Spieler direkt auszahlen. Als Folge würden die Umtauschb