Deutschland wird in Sachen Bildung abgehängt

Vorlesung an einer Universität; nikolayhg
Source: Vice.com

Deutschland wird in aller Welt für seine gute Ausbildung geschätzt. Deutsche Fachleute arbeiten in internationalen Unternehmen, und auch Professoren aus deutschen Landen trifft man an Universitäten in aller Herren Länder an. Allerdings geriet das deutsche Bildungswesen in den letzten Jahren zunehmend in die Kritik. So ist es statistisch erwiesen, dass Deutschland zu den EU-Staaten gehört, in denen verhältnismäßig wenig Geld für Bildung ausgegeben wird. Damit riskiert die Regierung nicht nur den guten Ruf Deutschlands als Ausbildungsland, sondern auch die beruflichen Perspektiven der Schüler.

Fehlende Investitionen

Zwar ist es nicht nötig, dass deutsche Universitätsabsolventen regelmäßig ihr Glück am Spielautomaten versuchen müssen, um für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Immerhin sinkt die Arbeitslosigkeit in Deutschland seit Jahren. Sie lag im September 2018 bei fünf Prozent und damit auf dem niedrigsten Wert seit 1991. Dennoch ist es denkbar, dass die deutsche Wirtschaft in den nächsten Jahren in eine Krise gerät – zumindest, wenn man sich anschaut, wie sehr die Regierung das Thema Bildung vernachlässigt. Lediglich 4,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts investiert der Staat in seine Bildung, womit Deutschland auf dem 21. Rang unter den 28 Ländern der EU liegt. Dänemark als Spitzenreiter lässt dagegen sieben Prozent seines BIP in die staatliche Bildung fließen, der EU-weite Schnitt liegt bei 4,9 Prozent. Zwar hat Deutschland seit 2008 die Ausgaben für Bildung stetig erhöht, im Jahr 2016 kam es jedoch zu einem Rückgang der finanziellen Unterstützung auf diesem Sektor. Auffällig ist vor allem, dass deutsche Schulen in Sachen Digitalisierung bereits einen großen Rückstand gegenüber vielen anderen EU-Ländern haben. Das bezieht sich nicht nur auf die unzureichende Ausstattung der Klassenräume, sondern auch auf die entsprechende Ausbildung der Lehrer. Statt in diesen Bereich zu investieren, musste die deutsche Regierung große Geldbeträge in den Ausbau des Kindergarten-Netzes stecken. Dabei ging es jedoch in erster Linie um die Erhöhung der Kita-Plätze und nicht um die Qualität der Ausstattung und die Ausbildung der Pädagogen.

Die Krise der Berufsanfänger

Dabei ist es derart wichtig, dass junge Menschen mit einer ausgezeichneten Bildung in ihr Berufsleben starten. Denn heutzutage leiden sie bereits zu Beginn ihrer Laufbahn unter einem enormen Erfolgsdruck. Dieser führt dazu, dass viele 20- bis 29-Jährige mit akademischem Abschuss in eine Krise geraten, die die Psychologie als „Quarterlife Crisis“ bezeichnet. Schuld daran ist nicht nur die gesellschaftliche Erwartung, dass man schon wenige Jahre nach seinem Abschluss eine hohe berufliche Position bekleidet. Auch der zunehmend flexible Arbeitsmarkt, der die finanzielle Absicherung der Berufsanfänger bedroht, macht ihnen zu schaffen. Dazu kommt, dass sie die schier unendlichen Möglichkeiten der beruflichen Entfaltung nicht als vorteilhaft, sondern als lähmend ansehen. Sie haben Angst davor, schon zu Beginn ihrer Karriere falsche Entscheidungen zu treffen, und das erhöht den Druck zusätzlich. Der Weg aus der Quarterlife Crisis führt über die Akzeptanz, dass man sich tatsächlich in einer Krise befindet. Anschließend sollte man sich bewusst werden, welche Stärken man hat, seine eigenen Ansprüche senken und sich damit abfinden, dass man auch Fehler machen kann. Diese sind schlussendlich ein wichtiger Teil des Lebens, da sie einen Lernprozess in Gang bringen.

Kinder in der Schule; klimkin
Source:Mymcmedia.org

Bei PISA erfolgreich

Dass sich die Bildung in Deutschland derzeit durchaus auf einem hohen Niveau befindet, beweisen regelmäßig die Ergebnisse der so genannten PISA-Studie. Das ist eine Untersuchung, bei der die schulischen Leistungen von 15-jährigen Schülern in fast allen OECD-Mitgliedsstaaten miteinander verglichen werden. Sie wird alle drei Jahre durchgeführt, aktuell nehmen 72 Länder daran teil. Bei der PISA-Studie 2015 belegten die Schüler aus Singapur mit 552 Punkten den ersten Platz, gefolgt von Hongkong mit 536 und Japan mit 529 Punkten. Danach liegt mit Kanada (527) das erste Land außerhalb Asiens auf dem vierten Rang, auf Platz sechs befindet sich mit Estland (524) der beste europäische Staat. Die teilnehmenden Schüler aus Deutschland holten in der Studie 508 Punkte und belegten damit einen respektablen 13. Rang. Zum Vergleich: Am Ende der Rangliste lag die Dominikanische Republik mit 339 Punkten.

Von den drei Teildisziplinen Mathematik, Naturwissenschaften und Leseverständnis schnitt Deutschland beim Lesen am besten ab und erreichte dort mit dem zehnten Platz sogar die Top 10. Im Bereich Naturwissenschaft belegten die deutschen Schüler den 15. und in der Mathematik den 16. Rang. Weil bei der PISA-Studie 2015 der Fokus auf Naturwissenschaften lag, konnten vor allem darüber genauere Erkenntnisse gewonnen werden. So zeigte sich, dass naturwissenschaftliche Fächer in Deutschland eher stiefmütterlich behandelt werden. Das wirkt sich auch auf das Image von Berufen aus, die in diesem Sektor angesiedelt sind. Bei einer Befragung im Rahmen der Studie gaben sehr wenige deutsche Schüler an, dass sie eine Karriere im naturwissenschaftlichen Bereich anstreben würden. Nur die Schüler aus zwei anderen Teilnehmerländern waren weniger interessiert an einer Laufbahn in den Feldern Chemie, Physik oder Biologie. Die Ergebnisse der PISA-Studie 2018, die ihren Schwerpunkt auf das Leseverständnis legt, werden erst im Dezember 2019 veröffentlicht. Interessant wird sein, ob sich die sinkenden Ausgaben für Bildung in Deutschland bereits in diesen Resultaten niederschlägt.