Socken übermitteln Daten

Socke
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Technologie wird immer kleiner und passt inzwischen sogar in die Hosentaschen oder ans Handgelenk. Gadgets wie das Smartphone und die Smartwatch stellen das sehr praktisch unter Beweis. Deshalb arbeiten verschiedene Unternehmen seit geraumer Zeit daran, winzig kleine technische Geräte auch in Kleidungsstücken unterzubringen. Diese können dann etwa die Herzfunktionen oder Blutzuckerwerte messen. Man stelle sich vor: Jemand spielt gerade ein Spiel in einem Online Casino, und wenn er dann den Jackpot geknackt hat, passt das T-Shirt auf, dass er keinen Herzinfarkt erleidet. Aber mal im Ernst: Smarte Technologie in Kleidung kann extrem nützlich sein – so wie Socken, die die Arbeit des Physiotherapeuten unterstützen.

Smarte Socken

Deepti Aggarwal ist eine junge wissenschaftliche Mitarbeiterin an der University of Melbourne, wo sie am Institut für Natural User Interfaces tätig ist. Das bedeutet, dass sie sich vor allem mit Geräten befasst, die mittels Berührungen gesteuert werden. Im Rahmen ihrer Arbeit hat sie außerdem die smarten Socken SoPhy entwickelt. Jede von ihnen hat drei eingebaute Sensoren, die verschiedene Daten sammeln. Diese werden dann an ein Interface geschickt, das sie an eine App auf dem Smartphone des Trägers sendet. Von dort aus können sie dann an jeden beliebigen Computer mit Internet-Verbindung übermittelt werden. Die Idee des Konzepts ist es, Patienten und Physiotherapeuten zusammenzubringen, die weit voneinander entfernt sind. Es soll möglich sein, Menschen, die in ländlichen Gegenden wohnen und keinen leichten Zugang zu einem Physiotherapeuten haben, dennoch eine Therapie zu ermöglichen. In Australien, wo Aggarwal lebt und arbeitet, wohnt eine Vielzahl von Menschen weit von den großen Städten und damit auch von ärztlicher und physiotherapeutischer Betreuung entfernt. Ihnen soll SoPhy eine große Hilfe sein. Zwar ist es dank des Internets schon heute möglich, eine physiotherapeutische Beratung per Videotelefonie durchzuführen. Dies geschieht allerdings lediglich auf Basis eines Videos, das zweidimensional von einer Kamera aufgenommen wird. Darauf kann der Physiotherapeut schwerlich die Probleme seines Patienten erkennen. Die fortschrittliche Technik von SoPhy erweitert diese Möglichkeiten erheblich.

Die gesammelten Daten

Die Positionierung der Sensoren auf der Socke ist so gewählt, dass das Kleidungsstück den kompletten Bewegungsablauf des Trägers registriert. Wenn dieser nun Übungen macht und sich etwa auf die Zehenspitzen stellt, dann werden dabei Daten aufgezeichnet. Diese betreffen beispielsweise die Gewichtsverlagerung des Fußes oder die Richtung jedes Schrittes. Mit Hilfe dieser Daten ist der Physiotherapeut in der Lage, zu erkennen, ob sein Patient die verschriebenen Übungen korrekt durchführt. Tut er dies nicht, dann kann der Physiotherapeut korrigierend eingreifen – selbst aus der Ferne. Patienten mit Problemen beim Laufen tendieren nämlich dazu, ihr Gewicht so zu verlagern, dass es ihnen so wenig Schmerzen wie möglich bereitet. Das kann auch unbewusst geschehen, und selbst der Physiotherapeut ist manchmal nicht in der Lage, diese winzigen Veränderungen mit bloßem Auge zu erkennen. SoPhy kann dem entgegenwirken und dem Physiotherapeuten Veränderungen bei der Bewegung seines Patienten aufzeigen. Die Möglichkeit, die Daten auch visuell darzustellen, ist ebenfalls eine Vereinfachung für den Therapeuten. Dieser kann seinem Patienten nun ganz deutlich zeigen, welche Fehler er bei welcher Bewegung macht. Lange und umständliche Erklärungen sind dadurch nicht nötig, stattdessen kann der Physiotherapeut ganz einfach auf die betroffenen Stellen auf der grafischen Darstellung des Fußes zeigen.

Physiotherapeutische Übung
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SoPhy auf dem Markt

Sechs Monate hat Aggarwal mit der Konstruktion von SoPhy verbracht. Neben der Überprüfung der Funktionsfähigkeit an ihrem Institut wurden die Socken auch praktischen Tests im Royal Children’s Hospital in Melbourne unterzogen. Dabei zeigte sich, dass die Patienten, die die Socken trugen, ihre Bewegungen in Echtzeit zum Positiven veränderten. Momentan werden an der University of Melbourne noch weitere Tests durchgeführt, mit denen überprüft werden soll, ob SoPhy für den alltäglichen Einsatz gerüstet ist. Wenn sie erfolgreich abgeschlossen wurden, steht einer Markteinführung nichts mehr im Weg. Der einzige Haken wird jedoch der Preis sein, den Patienten für SoPhy wohl auf den Tisch legen müssen. Wegen der eingebauten Technik wird dieser nämlich bei circa 200 Euro liegen. Bedenkt man allerdings, wie sehr die smarten Socken die Arbeit des Physiotherapeuten erleichtern und sogar den Weg in dessen Praxis ersparen, ist die Höhe des Preises wohl gerechtfertigt.