Facebook-Skandale ohne Ende – aber kümmert uns das?

Gehäufte Facebook-Skandale lassen Nutzer unbeeindruckt
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Es gab Zeiten, in denen man schräg angesehen wurde, wenn man nicht bei Facebook war. Jeder hatte ein Facebook-Konto, und jeder hatte eines zu haben. Es war schließlich Facebook, und Freunde und Familie teilten unbekümmert Beiträge und Bilder miteinander, schickten Grüße und bewerteten so gut wie alle Postings mit „Gefällt mir“. Lange Zeit waren alle einfach nur vernarrt in diese fantastische neue Erscheinungsform der sozialen Medien.

Facebook-CEO Mark Zuckerberg wünscht sich wahrscheinlich, dass diese Zeit nie vorübergegangen wäre. Aber die Dinge haben sich geändert und derzeit steckt der Megakonzern in einigen Schwierigkeiten. Es scheint, als wäre es Facebooks Schicksal, von sich immer höher auftürmenden Kontroversen erdrückt zu werden, die immer mehr Nutzer so verärgern, dass sie ihre Konten löschen.

Angesichts der Art der Skandale würden viele natürlich auch sagen, dass es durchaus berechtigt ist, wenn Facebook nun derartig unter Beschuss gerät. Aber warum hat es so lange gedauert, bis die Leute erkannt zu haben scheinen, dass Facebook möglicherweise nichts Gutes im Schilde führt?

Einige der Skandale

Eine Reihe von Facebook Skandalen stehen derzeit im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. 2016 verbreiteten sich Gerüchte über russische Politiker, die Facebook angeblich als Methode zur Verbreitung gefälschter oder meinungsbeinflussender Nachrichtenartikel nutzten, von denen viele speziell darauf ausgerichtet waren, Donald Trump ins rechte Licht zu rücken.

Der zentrale Skandal, und derjenige, der den Nutzern wirklich die Adern schwellen ließ, ist die Entwicklung rund um das britische Unternehmen Cambridge Analytica. Cambridge Analytica soll private Daten von über 70 Millionen Facebook-Nutzern gestohlen haben. Und mithilfe dieser gestohlenen Daten machte sich die Firma dann daran, die Anwender mit personalisierten politischen Propagandanachrichten zu bombardieren, ganz offensichtlich um Politikern bei jüngsten Wahlkampagnen unter die Arme zu greifen.

Der Clou an der Sache ist jetzt, dass Facebook anscheinend von diesem Sicherheitsleck wusste, aber nichtsdestotrotz noch einen vollen Monat die Geschäfte mit Cambridge Analytica fortsetzte.

Nachdem dieser Skandal ans Licht kam, entschied sich Facebook dazu, den Nutzern das Herunterladen ihrer eigenen persönlichen Daten zu gestatten, die auf den Facebook-Servern gespeichert waren. Es war ein Versuch, die Nutzer zu beschwichtigen, aber der Plan ging auf schlimmstmögliche Art und Weise nach hinten los. Bei der Einsicht in ihre Archive stellten viele Nutzer zu ihrem großen Erstaunen fest, dass Facebook Videos und Nachrichten, welche die Nutzer eigentlich gelöscht hatten, weiterhin speicherte, genau wie jede Menge anderer angeblich gelöschter privater Daten.

Daten von Millionen Facebook-Nutzern gestohlen
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Skandale, dass sich die Balken biegen

Facebook ist es gelungen, seit seiner Gründung größeren Skandalen aus dem Weg zu gehen. Genau genommen war dieses Ausbleiben von Skandalen fast schon wundersam zu nennen. Gerüchte bezüglich des möglichen Missbrauchs von persönlichen Daten waren fast durchgängig aus unterschiedlichen Richtungen zu hören gewesen, aber bisher waren diese Stimmen stets in der Minderheit geblieben. Aber infolge des jüngsten großen Skandals verschaffen sich diese einst leisen Stimmen zunehmend Gehör, und nachdem Zuckerberg einräumte, dass der Social-Media-Riese sogar die Inhalte unserer Nachrichten analysiert, sollte klar sein, dass alles, was man online tut, nicht von der Privatsphäre geschützt ist.

Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Großkonzern unter der Last mehrerer Skandale zusammenbricht, und auch nicht das letzte Mal. Zusammenfassend lässt sich aber sagen, dass Facebooks Aktienkurs zwar Verluste erlitten hat, angesichts der Tatsache, dass er bislang steil nach oben zeigte, fielen diese aber vergleichsweise gering aus.

Darüber hinaus gab es trotzt mehrerer öffentlicher Kampagnen, welche die Nutzer dazu anspornten, ihre Konten zu löschen, keine nennenswerte Massenabwanderung von der Social-Media-Plattform. Fast scheint es so, als hätte der Skandal nur unter Beweis gestellt, wie sehr sich die Welt an Facebook gewöhnt hat und wie abhängig davon wir alle sind.

Die Leute wissen, dass Facebook ihre Daten nutzt

Die Mehrheit der Menschen ist sich bewusst, dass Facebook Nutzerdaten analysiert und sammelt, um gezielt Werbung an den Mann bringen zu können. Sie erklären sich bei der Registrierung damit einverstanden. Und wie es scheint, kümmert es dieselbe Mehrheit recht wenig, wenn der Social-Media-Riese darüber Bescheid weiß, was sie online so treiben, ob sie nun Online-Blackjack spielen, sich Katzenbilder ansehen oder alten Flammen hinterherschnüffeln. Schließlich sind angesichts der Tatsache, dass Facebook Milliarden von Nutzern hat, die Daten einzelner Personen nichts als ein Tropfen im Ozean.

Der ein oder andere mag sein Profil infolge des Skandals gelöscht haben, aber die Scharen von Abtrünnigen, die manche erwartet haben, sind schlicht ausgeblieben. Wir schreiben das Zeitalter des Internets und des Informationsaustauschs, und die Leute haben sich damit arrangiert. Facebook nimmt einen wichtigen Teil im Leben vieler Menschen ein, und so werden sie wohl auch in Zukunft nicht darauf verzichten – Skandale hin oder her.

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